Hasko
Gespräch mit Dorota und Piotr Haśko, Eigentümer des Einfamilienhauses von Ludwig Moshamer in der ul. Zielonego Dębu

Grażyna Hryncewicz-Lamber: Wenn Sie sich eines der WUWA-Häuser aussuchen könnten – käme ein anderes in Frage?
Dorota Haśko: Nein. Natürlich gibt es hier schöne Häuser in der Nachbarschaft – das Haus nebenan zum Beispiel mit seiner Terrasse und seinem verglasten Teil, der auf den Garten hinausgeht. Aber dieses Haus hier habe ich von innen gesehen und im Geiste sofort „gekauft“. Ich wusste, dass ich nichts Schöneres finden würde als dieses zylinderförmige, von der Eingangshalle aus sichtbare Wohnzimmer. Deshalb musste ich nicht mehr weitersuchen. Das Haus hier wirkt vielleicht von außen nicht so prächtig – das heißt, jetzt schon, aber Sie wissen ja, wie das Gebäude aussah, als wir es damals besichtigten: Es war völlig verwahrlost. Als wir uns daran machten, das Äußere des Hauses zu restaurieren, haben wir kein derartig großes Interesse erwartet. Es kommen Gruppen und einzelne Besucher hierher. Manchmal, wenn ich nach Hause komme, höre ich Kommentare von Leuten, die vorbeigehen. Noch letztens habe ich jemanden fragen gehört: es wäre interessant zu wissen, ob das ein altes oder ein neues Haus ist?

GHL: Mich würde interessieren, was Herr Boniecki erwähnt hat: dass Ihnen sehr viel an diesem Haus lag.
Piotr Haśko: Das stimmt. Wir haben über 20 Jahre lang im Stadtviertel Biskupin gelebt und das Haus hier hat uns immer fasziniert. Wir kamen oft hier vorbei. Eines Tages sahen wir während eines Spaziergangs einen Mann, der den Garten hier in Ordnung brachte. Ich begann ein Gespräch mit ihm und nach langen Verhandlungen ist es also gelungen…
DH: Nach fast zwei Jahren…
PH: Nach zwei Jahren ist es uns gelungen, dieses Haus zu kaufen.
DH: Aber wir kannten das Haus schon seit 20 Jahren oder sogar länger, wir sind mit unserem Sohn hier spazieren gegangen, als er noch klein war, und heute ist er erwachsen. Anfangs erschien uns das Haus unscheinbar und durchschnittlich – es war ja auch total ruiniert.
PH: Das Haus war, als wir es kauften, bereits teilweise renoviert, aber absolut nicht denkmalgerecht. Wir haben Bilder aus der Zeit vor den Renovierungsarbeiten; diesen Zustand des Hauses hatte der vorherige Eigentümer dokumentiert. Der wiederum hatte das Haus von den ersten Eigentümern aus der Nachkriegszeit gekauft.

GHL: Das heißt, das Haus gehörte nicht seit Kriegsende denselben Eigentümern?
PH: Nein, nein. Wir haben ein Meldebuch aus dem Jahr 1946 aufgehoben, das wir in den Unterlagen des Hauses gefunden haben. Dem Herrn, von dem wir das Haus gekauft haben, gehörte das Haus seit etwa 10 Jahren. Er hatte unter recht komplizierten Bedingungen mit einer Teilrenovierung begonnen, denn im Haus wohnten noch die vorherigen Eigentümer, die trotz des Verkaufs ein lebenslanges Wohnrecht behalten hatten. Das Haus war buchstäblich kurz vor dem Einsturz, ihnen tropfte schon das Wasser auf den Kopf, der Verputz bröckelte ab. In den Unterlagen von 1998 wird das Ausmaß der Verwahrlosung deutlich, dort ist auch ein Kostenvoranschlag beigelegt, der den Umfang der notwendigen Arbeiten präzisierte.

GHL: Aha, wenn ich also richtig verstehe, waren die Leute, die hier ein lebenslanges Wohnrecht hatten, die ersten Eigentümer des Hauses in der Nachkriegszeit?
PH: Ja genau. Und unser Vorgänger renovierte hier, ohne sich um den Denkmalschutz zu kümmern, ohne Baugenehmigung und ohne Plan, aber er wohnte nicht hier. Vielleicht hatte er die Nase voll von der Warterei und verkaufte uns deshalb das Haus.
DH: Beim Kauf rechneten wir mit einer langen Wartezeit, aber wir hatten uns so in das Haus verliebt, dass unser Entschluss feststand. Wir kauften also „für die Wartezeit“ eine Wohnung in der nächsten Umgebung, in der ul. 9 Maja, um nicht ärmlich leben zu müssen und das Haus aus der Nähe sehen zu können.
PH: Um es im Auge zu behalten.
DH: Ja, um es im Auge zu behalten. Unser voriges Haus mussten wir verkaufen… Wir sind hier nicht einmal hereingekommen, wir wollten den Bewohnern – alten Leuten – nicht das Gefühl geben, wir würden sie bedrohen.
PH: Wir waren nur einmal vor dem Kauf hier im Haus.
DH: Wir kamen herein und mir war sofort klar, dass ich absolut alles tun würde, um hier einmal wohnen zu können. Obwohl hier ein furchtbarer Gestank nach Schimmel war und die Leute nur in einem Zimmer, im Wohnzimmer, lebten. Als wir die Raumaufteilung sahen, prüften wir nicht einmal mehr den technischen Zustand des Hauses, denn wir hatten uns bereits entschieden.
PH: Die Fenster waren ausgetauscht worden. Die neuen waren zwar auch aus Holz, aber in Braun, billigstes Material, ohne die ursprüngliche Fenstergliederung zu berücksichtigen. Das Dach war komplett umgebaut worden, mit einem anderen Neigungswinkel, auch die Fassade war völlig anders.
DH: Wir wussten, wie das Haus vor der Renovierung im Jahr 1998 ausgesehen hatte – im Grunde eine komplette Ruine, wie auf Fotos zu sehen ist. Danach allerdings, nach der Renovierung, sah das Haus ganz seltsam aus: die Proportionen waren aus dem Gleichgewicht geraten, es hatte auf einmal irgendwie Ähnlichkeit mit einem Hühnerstall. Wir bedauerten das sehr: so ein wunderbarer Ort, und er war dermaßen verunstaltet. Als sich die Möglichkeit zum Kauf dieses Hauses bot, dachten wir sofort daran, es in seiner ursprünglichen Gestalt zu restaurieren. Der Denkmalschutzbeauftragte hatte natürlich seine eigenen Ansichten, aber unsere Zusammenarbeit verlief vorbildlich, würde ich sagen.

GHL: Trzeba było być chyba bardzo zakochanym w tym miejscu, żeby się odważyć na kupienie domu w stanie kompletnej ruiny.
DH: Ja, andere hatten Angst.
PH: Und dann hatte die Gemeinde auch noch das Vorkaufsrecht für diesen denkmalgeschützten Bau.
DH: Ja, wir gingen ein ziemliches Risiko ein. Um dieses Haus kaufen zu können, mussten wir vor der notariellen Unterzeichnung des Kaufvertrags unser voriges Haus verkaufen. Wobei wir aber zu dem Zeitpunkt noch gar nicht wussten, ob die Stadt von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen würde.
PH: Und auf die Entscheidung der Stadt wartet man einen Monat, in der Ungewissheit, ob sie ihr Recht nutzt – oder nicht.
DH: Ja, wir bezahlten für das Haus und warteten. Wenn die Gemeinde ihr Vorkaufsrecht genutzt hätte, hätten wir weder das eine noch das andere Haus gehabt, obwohl uns die Stadt nach einiger Zeit unser Geld zurückerstattet hätte.

GHL: In welchem Jahr haben Sie das Haus gekauft?
PH: 2007.

[Wir besichtigen das Haus. Im Inneren finden sich zahlreiche Bezüge zur ursprünglichen Erscheinung des Hauses. Die Wandkacheln in der Küche und die Toilette im Erdgeschoss wurden restauriert, die Heizkörper ähneln den Modellen aus der Vorkriegszeit, sind aber keine originalgetreuen Kopien. Die Maxime der Eigentümer war, sich so weit wie möglich an alle historischen Details zu halten und an den Stil des Modernismus anzuknüpfen – aber dort, wo keine Originalelemente mehr vorhanden waren, immer mit einem gewissen Augenzwinkern. Badezimmer und Küche sind in eleganten Art-déco-Farben gehalten – weiß mit schwarzen Akzenten. Die Möbel und Ausstattungselemente hingegen sind modern. Die erhaltene Tür mit ihren konstruktivistischen Klinken, die Einbauschränke, die hübsche Wendeltreppe mit dem im Originalzustand erhaltenen Geländer und die Außenbrüstung der Terrasse wurden restauriert.]

DH: Nicht alle wollen die bei einem solchen Haus auch die Innenausstattung restaurieren, aber wir haben zum Beispiel versucht, das Parkett so herzurichten, dass es dem Original ähnelt [wiederhergestelltes Fischgrätenmuster, große Eichenparkettstäbe]. Sie finden hier keinen Gipsverputz und keine Trockenbauwände. Wir haben uns für einen speziellen Mineralputz entschieden, wie er auch vor dem Krieg verwendet wurde. Das war natürlich teurer und die Verlegung war viel komplizierter, der Putz ist nicht glatt.
PH: Es gibt Unebenheiten – die Fläche ist nicht ideal, das ist nicht zu vermeiden.

GHL: Sind alle Böden neu?
PH: Die Böden waren schlichtweg verfault. Vor der Renovierung lief das Wasser durch das eingefallene Dach.

GHL: Ehrlich gesagt war ich vom Zustand des Hauses auf den Bildern von 1998 schockiert. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es so stark verwahrlost war.
DH: Wir haben das Haus bereits nach der Renovierung gekauft.
PH: Nach der Bestandsicherung…
DH: Es war bereits verschandelt. Im Endeffekt mussten wir die ruinierten Böden freilegen, trocknen, dämmen und mit Beton ausgießen.
PH: Als wir das Haus von unserem Vorgänger kauften, der diese „Renovierungsarbeiten” durchgeführt hatte, lief von überall das Wasser herein, auf dem Dach lag eine Schicht Pappe…
DH: Als Folge dieser Renovierung war das Haus in einem katastrophalen Zustand. Wir mussten alles abreißen. An einem gewissen Punkt gab es keine Fenster mehr, das Haus hatte kein Dach – nur Mauern, wie nach einem Bombeneinschlag – „und über mir nur die Sterne“. Es war grauenvoll, im Innenbereich waren noch die zusammengewürfelten, verschimmelten Putzschichten sichtbar. Der Inhaber der Baufirma, die die Außenrenovierung für uns durchführte, sagte uns, er könne uns für weniger Geld genau dasselbe Haus komplett neu bauen. Selbstverständlich hätten wir nie ein neues Haus an dieser Stelle gebaut… […]. Während der Renovierungsarbeiten wollten uns viele schlaue Zeitgenossen verschiedene Ratschläge geben, z.B. eine steile Kellertreppe einzubauen, und zwar an ganz anderer Stelle. Irgendwann wurde es meinem Mann zu bunt und er entgegnete: „Ich bitte Sie – Architekten aus aller Welt kommen hierher, um das Haus zu besichtigen, Studenten lernen hier vor Ort. Denken Sie, Sie oder ich seien schlauer und uns fiele etwas Besseres ein?“ Und damit war die Diskussion beendet. Das nervte ziemlich – wir waren von allem hier total begeistert und irgendwelche Leute wollten uns einreden, was wir wie ändern sollten. Selbstverständlich haben wir im Haus einige Veränderungen bereits vorgefunden und nicht alles restauriert: wir haben die Aufteilungen der Trennwände zwischen Küche und Portiersloge nicht wiederhergestellt, und im Badezimmer war bereits die ursprüngliche Anordnung der Türen verändert worden. Ursprünglich hatte das Bad drei Türen, was durchaus seinen Sinn hatte. Die Hausherrin hatte ihren eigenen Zugang zum Badezimmer, dann gab es einen Durchgang zum Kinderzimmer, und wenn der Hausherr betrunken nach Hause kam, konnte er sich duschen, ohne dabei Frau und Kinder zu wecken… Aber das Ganze war schon verändert, und jetzt gibt es nur eine Tür und anstatt einer Badewanne haben wir nur eine Duschkabine. Das entspricht der gegenwärtigen Funktion des Raumes als Bad neben dem Schlafzimmer besser. Wir haben also nicht wirklich einen Eingriff vorgenommen, weil die Anordnung sowieso nicht mehr originalgetreu war. Dabei haben wir uns bemüht, den Rest zu erhalten.

GHL: Aber in der aktuellen Innengestaltung findet man eine zarte stilistische Anknüpfung an den Modernismus.
DH: Ja, ja. Wir wollten wenigstens eine Art Gruß an die Originalgestaltung hinterlassen. Einige Originalmöbel sind noch da – wir haben sie in einem abenteuerlichen Zustand vorgefunden. Ich bin mir nicht sicher, ob sich irgendwer sonst getraut hätte, sie noch zu restaurieren. Der wunderschöne Wohnzimmertisch war in einem erbärmlichen Zustand. Aber zum Glück hat ihn ein Fachmann für Möbelrestauration für uns aufgearbeitet. Und jetzt kann man den kleinen, ellipsenförmigen Tisch im Art-déco-Stil öffnen – und dank dieses Mechanismus können im ausgezogenen Zustand bis zu zehn Leute darum herum Platz nehmen. Die Stühle im Wohnzimmer stammen aus verschiedenen Garnituren, aber es haben sich auch zwei einfache und unscheinbare signierte Thonet-Stühle und ein eleganter runder Art-déco-Tisch erhalten. Die Anrichte haben wir dazugekauft, wir wollten das Möbelstück passend zu den erhaltenen Möbeln und dem Charakter des Hauses auswählen. Modernistische Möbel gibt es kaum, denn die Originale waren nicht erhalten. Und zeitgenössische Reproduktionen von „Ikonen“ modernistischer Möbel können wir uns ganz einfach nicht leisten. Deshalb haben wir uns entschlossen, entweder Möbel aus der damaligen Zeit zu kaufen oder die, die wir haben, zu behalten.

GHL: Haben Sie in den Räumen alle Originaldetails erhalten, die noch verwendbar waren? Türen?
DH: 90% der Türen, nur eine Tür mussten wir austauschen. Sie wurde aber rekonstruiert und sieht identisch aus wie die übrigen. Ich könnte sie heute gar nicht mehr von den anderen unterscheiden, sie wurde aus weiß gestrichenem Sperrholz angefertigt. Überall, wo es möglich war, haben wir die Türklinken erhalten, nur die Eingangstür hat keine Originalklinke mehr. Aber wir haben den Ehrgeiz, irgendwo eine ähnliche Klinke zu finden und sie dort einzubauen. Es ist allerdings sehr schwer, solche Art-déco-Details zu finden, ich suche über das Internetportal allegro.pl und auf Flohmärkten – aber ich bin überzeugt, dass ich irgendwann Erfolg haben werde. Höchstwahrscheinlich handelt es sich bei den Lampen im Wohnzimmer um Originalstücke. Der Denkmalschutzbeauftragte wies uns darauf hin und bat darum, sie zu erhalten, obwohl sie auf den Bildern aus den Zeiten der WUWA-Ausstellung nicht zu sehen sind. Sicherlich wurden sie etwas später installiert.

GHL: Das Haus war aus praktischer Sicht gut durchdacht, es gab zahlreiche Einbauschränke und Stauraum zum Abstellen von Gegenständen, nicht wahr?
DH: Ich sehe das etwas anders. Heutzutage hat man mehr Eigentum, wir haben zum Beispiel mehr Kleidungsstücke. Früher haben die Leute weniger Sachen besessen, dafür war die Qualität höher und die Kleider wurden jahrelang getragen.

GHL: Ja, dafür hatte man aber Hüte, Fächer, Handschuhe…
DH: Ja, aber wir mit unserem modernen eklektizistischen Stil haben auch Hüte, Fächer und Handschuhe – und darüber hinaus Sportschuhe und Jeans. Ich bin da wohl ähnlich gelagert wie das Haus: etwas Altes, etwas Neues, ein wenig Kitsch und einige Dinge von künstlerischem Wert…

GHL: Erzählen Sie ein bisschen über Ihre Porzellansammlung.
DH: Das Porzellan stammt aus dem Ort Żary, vor dem Krieg hieß der Ort Sorau. Dort gab es eine Porzellanfabrik namens Carstens. (…) Dieses Set gefiel mir sehr gut, es stammt aus den späten 20er oder frühen 30er Jahren. Mit Sicherheit sind es lupenreine Originale, denn die Fabrik wurde während des Krieges zerstört und geplündert, so dass die Produktion nach dem Krieg nicht wieder aufgenommen wurde. Außerdem kann diese Serie – cremeweißes einfaches Porzellan mit dezenten Goldrändern – nicht später hergestellt worden sein. Im Dritten Reich wurde Gold anderweitig verwendet, nicht zur Verzierung von Geschirr… Hitler verbot es, Gold zu irgendetwas anderem zu verwenden als zu Kriegszwecken. Mit dem Porzellanset verbindet sich folgende Geschichte: Ich habe diese außergewöhnlich geformten Tassen im Internet gesehen – genau zu dem Zeitpunkt, als es zu den ersten Verhandlungen über den Kaufs dieses Hauses kam. Die Verhandlungen waren sehr schwierig und wurden abgebrochen. Ich verlor die Hoffnung aber nicht und war überzeugt, dass, wenn ich diese Tassen kaufe – und ich stellte mir vor, wie ich aus ihnen auf der Terrasse des Hauses Tee trinken würde – eine Reihe positiver Ereignisse ihren Anfang nehmen würde… Es war schwierig, an die Tassen zu kommen, ständig überbot mich jemand bei Allegro, aber schließlich klappte es und ich erstand die ersten beiden Exemplare. Sie wurden per Kurier geliefert – wundervoll. Und die Gespräche über den Hauskauf kippten langsam zu unseren Gunsten und es gelang uns, das Haus zu erwerben. Unser größter Traum ging in Erfüllung

GHL: Muss ein Haus Ihrer Meinung nach ein wenig dekadent sein? Oder ist nur Ihr Hobby dekadent?
DH: Das Haus ist nicht „schnurgerade”. Ich mag, wenn alles passt – aber ich spüre keinen Druck, dass alles nur von einer bestimmten Firma oder einem bestimmten Architekten sein soll und ganz genau zueinander passen muss. Das Zuhause ist ein Ort, an dem es sich gut leben lassen sollte und an dem das Familienleben zelebriert wird.

GHL: Sie haben schon gezeigt, wie das im positiven Sinne aussehen kann. Ich hoffe, dass der Erfolg perfekt ist, wenn der Garten hergerichtet ist und das Haus von Grün eingerahmt wird.
DH: Das hoffen wir auch. Wir haben niemals angenommen, dass die Zusammenarbeit mit dem Amt für Denkmalschutz Probleme bereiten könnte. Wir haben gehört, dass manche Leute mit dem Kontakt unzufrieden sind und das Gefühl haben, Entscheidungen aufgezwungen zu bekommen. Wir haben einander gleich akzeptiert und der Herr, der seitens der Denkmalschutzbehörde unsere Bauarbeiten beaufsichtigte, war mit unserem Vorgehen sehr zufrieden – genau wie wir mit seinen Ratschlägen. Die Zusammenarbeit verlief wirklich sehr angenehm.

GHL: Aber es scheint auch, als hätten Sie auch einen Bauunternehmer gewählt, der Erfahrung mit denkmalgeschützten Bauten hatte…
DH: In unserem Fall verlief die Zusammenarbeit wirklich gut. Wir haben sowohl mit dem Denkmalschutzamt als auch mit der Baufirma sehr gute Erfahrungen gemacht. Selbstverständlich war der präzise Plan für die Sanierung des Hauses ganz entscheidend, den unser Architekt T. Boniecki erstellt hatte. Wir haben das Ganze gut hingekriegt, denn wir konnten uns außerdem für das Zuschussprogramm qualifizieren. Beim Kauf wussten wir natürlich nichts davon und hatten unglaublich hohe Kredite eingeplant. Aber dann kam die Finanzkrise und unsere Möglichkeiten verschlechterten sich drastisch. Wir wollten die Renovierung anständig durchführen und fürchteten, dass wir zu große Kompromisse würden eingehen müssen. Dank des Förderprogramms der Stadt haben wir einen bedeutenden Zuschuss für die Renovierung der Fassade erhalten. Wenn das Haus nicht denkmalgeschützt wäre, wären die Renovierungsarbeiten wahrscheinlich ganz anders verlaufen. Hier unten zum Beispiel verläuft ein Band aus Ziegelsteinen [am Sockel des Hauses]. Jeder der Ziegelsteine wurde von Hand mit einer speziellen Paste konserviert. Wer ein Haus renoviert, das nicht denkmalgeschützt ist, legt nicht so großen Wert auf solche Details. Wir haben den Kamin rekonstruiert und die Farbe der Ziegel dazu passend ausgewählt. Natürlich bewirkt das, dass das Haus toll aussieht. Aber wir haben bereits früher Häuser renoviert und wissen, dass man gewisse Dinge auch für weniger Geld mit guter Qualität erreichen kann. Hier mussten wir mit größeren Ausgaben rechnen, aber es war die Mühe wert. Auch der Zuschuss aus dem städtischen Programm hat uns sehr positiv überrascht.

GHL: Eben. Sie sind Pioniere, deshalb interessieren sich die Leute dafür.
DH: Ja, wenige Tage nach unserem Umzug im letzten Winter kamen ein paar Damen, die gerne unser Haus besichtigen wollten. Ich sagte, es handle sich um ein Privathaus, daraufhin meinten sie: „Ja, aber das ist ein historisches Bauwerk.“ „Richtig, aber ein privates historisches Bauwerk“, antwortete ich. „Aber dort ist eine Tafel, dass das Haus von der Stadt mitfinanziert wurde!” – sie zeigten auf die Infotafel vorn am Haus. „Ja, aber nur die Fassade.” „Und wann können wir das Innere besichtigen?“ Ich war einfach perplex, dass jemand dachte, er hätte das Recht, ein Objekt zu besichtigen, nur weil es ein Denkmal ist. Mein Mann scherzte, wir hätten die Damen zur Nacht der Museen einladen sollen…

GHL: Haben Sie die Ergebnisse des Wettbewerbs für den öffentlichen Raum der Siedlung gesehen? Was denken Sie darüber?
DH: Wir können es kaum erwarten, dass die Pläne umgesetzt werden. Aber aus Gesprächen mit den Nachbarn wissen wir, dass es unterschiedliche Meinungen dazu gibt. Im Moment sieht die Umgebung hier beschämend aus. Es kommen Gäste aus aller Welt hierher, ich habe schon verschiedene Besuchergruppen gesehen – Japaner, englischsprachige Touristen, Deutsche natürlich und Tschechen. Sie kommen her und sehen das Gestrüpp, die ramponierten, häufig verunstalteten Häuser, an denen irgendjemand unüberlegte Umbauarbeiten vorgenommen hat. Wir warten sehnsüchtig auf den neuen Stadtraum. Ich bin überzeugt, dass dieser Ort dadurch an Glanz gewinnt und es für alle Beteiligten hier angenehmer wird. Und außerdem sehen wir, wie viel Interesse diese Siedlung bei den Besuchern weckt, wie viele Leute hier herkommen. Meine Arbeitskollegin, die seit Jahren in Wrocław lebt, wusste nicht einmal, was die WuWA ist. Sie kam erst mit einer Gruppe Amerikaner hierher, die die Stadt besuchten. Sie sagt, sie habe sich in Grund und Boden geschämt, als sie sich den Weg durch das Gestrüpp bahnen mussten, hinter dem die WuWA nur mit Schwierigkeiten auszumachen war; aber jetzt weiß sie, in was für einem wichtigen historischen Gebäude ich wohne, weil Leute vom anderen Ende der Welt hierherkommen, um unsere Siedlung zu sehen.