Boniecki
Tomasz Boniecki
Gespräch mit Tomasz Boniecki, Architekt und Autor der Sanierungsplanung des Einfamilienhauses von Ludwig Moshamer in der ul. Zielonego Dębu

Grażyna Hryncewicz-Lamber: Erzähl mir, was Ihr vorgefunden habt. Ich weiß nicht mehr, wie das Haus aussah, als es Deine Bauherren gekauft haben. Die Vorgänger von Herrn und Frau Haśko haben Instandsetzungsarbeiten vorgenommen und Ihr hattet mit den Folgen zu kämpfen?
TB: Ja, damit vor allem. Meine Bauherren haben Fotos, die zeigen, wie das Ganze beim Kauf ausgesehen hat. Abgesehen davon, dass das gesamte Grundstück völlig zugewuchert war, mussten wir mit den Folgen der unkontrollierten Umbauten klarkommen. Da Dach war undicht, also montierte der vorherige Eigentümer flachgeneigte Satteldächer auf die vermoderte Holzkonstruktion, machte sich dabei aber nicht die Mühe, sie hinter der vorhandenen Dachtraufe anzubringen. Die Sparren ragten über die Fassade des Gebäudes hinaus, es gab keine Dachrinne. Das Wasser lief also einfach herunter, nur ein Stück von der Hauswand entfernt. Genauso wurde auch der höhere Teil des Dachs renoviert: wir fanden einzelne Sparren, die mit Holzlatten beschlagen waren, und darauf Pappe. Schrecklich. Später, als der Besitzer eine Finanzspritze erhalten hatte, dämmte er das Haus mit Styroporplatten.

GHL: Der Vorbesitzer?
TB: Der Vorbesitzer. Er wechselte auch die Fenster aus. Gegen braune mit goldenen Sprossen. Von unten her, vom Keller, war alles durchnässt. Absolut unbewohnbar. Einige alte Parkettböden sind erhalten geblieben, ein Teil des Holzes konnte gerettet werden. Aber sonst war so gut wie alles Schrott.

GHL: Haben die aktuellen Eigentümer das Haus wegen seiner günstigen Lage gekauft?
TB: Nein. Sie wollten genau dieses Haus haben. Sie hatten es jahrelang auf dieses Haus abgesehen. Sie wohnten vorher gar nicht hier. Der Plan war bereits fertig, bevor die Beihilfen der Stadt beschlossen wurden. Glücklicherweise hatten sie zuerst kein Geld für die Renovierung und haben deshalb gewartet – später erhielten sie dann die Beihilfen aus dem Programm des städtischen Denkmalschutzamts. Das Haus war wirklich in einem furchtbaren Zustand.

GHL: Heute ist die Raumaufteilung etwas anders als im Jahr 1929. Ein Beispiel ist die Frage der erhaltenen oder nicht erhaltenen Trennwände in der Küche.
TB: Der nicht erhaltenen. Was die Funktion angeht, haben wir praktisch alles erhalten, was vorhanden war. In der Küche hat schon früher jemand den Dienstraum beseitigt. Er war unnötig geworden, stattdessen brauchte man eine größere Küche.

GHL: Ja, die Küche ist riesig.
TB: Sie ist ziemlich geräumig. Wenn man ein großes Haus bewohnt, stört es nicht, eine große Küche zu haben. Wir haben entschieden, die Trennwände in der Küche nicht wiederaufzubauen, die Küche wurde ja bereits schon früher umgebaut.

GHL: Sind die auf den alten Zeichnungen sichtbaren Schiebetüren erhalten? Habt Ihr davon noch Spuren gefunden?
TB: Aktuell besteht der Innenbereich aus einem einzigen Raum. Auf alten Fotos ist eine solche Wand zu sehen, sie existierte in der Vorkriegszeit. Aber als wir das Gebäude übernommen haben, war sie bereits nicht mehr da.

GHL: Und die erhaltenen Wandleuchten?
TB: Ja, die Wandleuchten. Ich weiß aber nicht, wo die ursprünglich angebracht waren. Es sind auch alte Dienstbotenklingeln und ein Panel mit den Zimmernummern erhalten geblieben.

GHL:Habt Ihr das Badezimmer modernisiert?
TB: Ja, die Anordnung der Türen zum Badezimmer wurde verändert [im Originalentwurf führten drei Türen ins Badezimmer – vom Gang aus und von den zwei angrenzenden Schlafzimmern]. Die Bauherren haben hier gewissermaßen ihre Wünsche durchgesetzt, das Haus sollte an ihre Bedürfnisse angepasst werden. Im Erdgeschoß gibt es ein Schlafzimmer mit Bad – wir nennen es „Master Bedroom“ – zusätzlich ist oben ein weiteres Zimmer mit Bad für den Sohn. Außerdem gibt es noch die Toilette neben dem Eingang im Erdgeschoss. Wir haben nur die Technik ergänzt: eine Lüftung im Badezimmer, in der Küche und im Keller, das gab es vorher nicht. Trotz der Isolierung des Kellers haben wir an manchen Stellen immer noch mit Feuchtigkeit zu kämpfen, am tiefsten Punkt des Kellers, im Kanal.

GHL: Ich dachte immer, ein Haus dieser Grösse – immerhin für die Oberschicht, ein solches Haus für eine Familie war ja etwas Besonderes – müsse ordentlich gebaut sein. Du hast bereits erzählt, dass die gesamte Baustruktur absolut abenteuerlich war.
TB: Eine in aller Eile zusammengeschusterte Hütte, um die Nacht zu überstehen…

GHL: Das gesamte Haus?
TB: Ja. Wir haben an mehreren Stellen die Wände aufgeklopft, hauptsächlich oben, wo die Innendämmung aus Torfoleum beschädigt war.

GHL: Wurde die Isolierung nur oben verlegt?
TB: Oben haben wir sie gefunden. Ich weiß nicht mehr, wie es unten aussah. Als wir oben das Mauerstück freigelegt hatten, sahen wir, wie schlampig gearbeitet worden war. Ein klassisches Ausstellungsstück: das Haus wurde schnell gebaut – aus allem, was zur Hand war – und anschließend mit Verputz zugekleistert. Gut, dass überhaupt Wände vorhanden sind, und nicht nur direkt verputzte Rabitzgitter. Es ging wohl vor allem darum, dass es ein Jahr lang stehen blieb.

GHL: Eigentlich sollten diese Häuser ja anschließend verkauft werden. Es durfte also nicht so ganz schlecht sein…
TB: Auf jeden Fall war es nicht besonders gut gemacht. Nicht ganz schlecht – man sollte schließlich nicht übertreiben.

GHL: Was ist von der Ausstattung erhalten geblieben? Sind unter den Dächern irgendwelche Einbauteile vorhanden gewesen?
TB: Nein, nichts. Wir haben alles selbst rekonstruiert, aber nicht nach Plan – das meiste wurde auf der Baustelle festgelegt. Die Balustrade der Terrasse im ersten Stock war noch vorhanden, dort hat man Vorhänge und Markisen aufgehängt. Das ist aber auch schon alles. Hier wurde ein Patent angewandt, die Entwässerungsrinne der Terrasse verläuft nämlich in der Wand – nicht im Gebäude, nicht außen, sondern in der Wand. Etwas naiv – es reicht, wenn im Herbst Laub in die Rinne gerät und alles verstopft, dann läuft das Wasser durch undichte Stellen im ersten Stock ins Schlafzimmer…

GHL: War das ein Abenteuer für Dich? Oder hat es Dich eher genervt?
TB: Der Bauherr wußte um den Wert dieses denkmalgeschützten Hauses. Er wusste, was er gekauft hatte. Abenteuer? Nein. Uns ging es darum, die Absichten von Ludwig Moshamer zu wahren. Das Gebäude sollte von außen so originalgetreu wie möglich rekonstruiert werden, mit Hilfe moderner Baumaterialien. Da es sich hier um einen Architekturstil handelt, der sich von dem, was wir heute bauen, nicht großartig unterscheidet, stellte das hier für mich keine so große Herausforderung dar wie etwa die Renovierung eines neogotischen Baus. Damit kenne ich mich nicht aus, ein solches Projekt würde ich nicht annehmen. Bauten der Moderne sind die ältesten denkmalgeschützten Gebäude, mit denen ich mich befasse. Was die Räumlichkeiten betrifft – es wäre super, die Möglichkeit zu haben, das Innere im Stil der dreißiger Jahre zu restaurieren. Aber das ist unmöglich. Hier leben Menschen, die keine Schrankwand haben möchten, die damals der letzte Schrei war, oder solche Betten, wie sie auf den alten Bildern zu sehen sind. Sie wollen ihre Wohnung selbst gestalten. Sie wollen den Heizkörper nicht hier, sondern unter dem Fenster, wo er hingehört.

GHL: Der Heizkörper war damals ein wichtiges Einrichtungsstück. Er wurde nicht versteckt, wie wir es heute gewöhnt sind.
TB: Ja, er galt als Symbol der Moderne. Und hier gab es technische Probleme: wir mussten die archivierten Bauunterlagen mit dem tatsächlich realisierten Zustand vergleichen und anpassen. Denn wenn der lokale Bebauungsplan vorgibt, dass wir das Haus nicht umbauen dürfen, dann muss es sich um eine Renovierung handeln, die den ursprünglichen Zustand wiederherstellt. Der in den Bauplänen dokumentierte Urzustand unterschied sich aber vom tatsächlichen Ergebnis der ursprünglichen Bauarbeiten – die Raumhöhen weichen ab, und wir mussten ein wenig tricksen. Eine Frage war auch: wie können die Dächer isoliert werden, um wenigstens eine minimale Wärmedämmung zu erreichen? Die Dämmung der oberen Terrasse war die größte Herausforderung. Über die Fassade ragt eine Art Gesims, dort mussten wir wenigstens eine minimale Dämmschicht anbringen, damit die Terrasse über dem Schlafzimmer nicht von oben durchfrieren kann. Wir haben schließlich eine Styroporschicht ohne Estrich unter den geplanten Holzboden der Terrasse geschoben, um die Dicke des Bodens nicht erhöhen zu müssen.

GHL: Wie detailgetreu musstet Ihr bei diesem Projekt vorgehen? Welche Anforderungen hat die Denkmalschutzbehörde gestellt? Habt Ihr die Fenster im Maßstab 1:5 zeichnen müssen?
TB: Wir haben nur ein Element im Maßstab 1:1 aufgezeichnet: die Leiste um die Fenster herum – die Fenster waren bereits vorher ausgetauscht worden. Die Kastenfenster wurden nicht originalgetreu rekonstruiert, stattdessen haben wir uns für Verbundfenster entschieden. Es gab kaum raffinierte Details zu beachten. Wir haben mit der Bauaufsicht die Form der Rinne besprochen und der Bauunternehmer hat nach unseren Angaben eine quadratische Rinne angefertigt. Am meisten Diskussionen gab es über die Farben. Anhand der alten Schwarzweißfotos war es schwierig, die ursprüngliche Farbe zu herausfinden. Das jetzige Ergebnis ist gewissermaßen eine Nach-Kreation. Wir sind der Meinung, dass die Originalfarbe von früher der jetzigen Farbe entsprochen haben kann – Grautöne. Es wurden zahlreiche Proben erstellt, und dann bildeten wir eine Kommission, in der die Autorin der Monographie über die Siedlung, die Bauherren und der Bauunternehmer saßen. So haben wir dann die Farbe ausgewählt, in der das Gebäude schließlich gestrichen wurde – und es ist schön geworden.

GHL: Im Grunde genommen sind die dünnen kleinen Dächer, die ihr rekonstruiert habt, auch eine Art von Nach-Kreation, denn die Originale sind nicht erhalten?
TB: Ja, wir mussten sie tatsächlich neu fertigen lassen – sie sind auch anders konstruiert als die ursprünglichen, die nicht mehr vorhanden sind. Die früheren Dächer bestanden aus dünnen gegossenen Stahlbetonplatten, unsere Rekonstruktion dagegen ist auf einer verzinkten Stahlträgerkonstruktion aufgebaut, die mit Styropor ausgefüllt ist. Deshalb haben wir auch keine Wärmebrücken in diesem Bereich. Aber das alles wurde eigentlich direkt auf der Baustelle festgelegt. Die Bauarbeiten fanden überhaupt ein bisschen nach Vorkriegsmanier statt: der Boss – in dem Fall ich – kam auf die Baustelle, nachdem die Aufrisse mit Aquarellfarben rot angelegt worden waren, und redete mit dem Meister, der wusste, wie die Bauarbeiten auszuführen waren und lediglich ein paar Tipps zur Verschönerung brauchte (lacht).

GHL: Würdest du dich ein zweites Mal dafür entscheiden, ein WuWA-Projekt anzunehmen?
TB: Bis jetzt hat sich noch kein Auftraggeber gefunden….